Im Juni traf man sich zum Kommunalpolitischen Frühstück zum Thema: Stammbahn.
Bereits seit den 1990er Jahren ist der Wiederaufbau der Stammbahn von Potsdam über Düppel-Kleinmachnow, Zehlendorf und Steglitz ins Berliner Zentrum geplant. Mittlerweile ist beschlossen, dass diese als Regionalbahn verkehren soll. Fahrzeiten werden sich damit radikal verkürzen – eine gute Nachricht vor allem für viele Berufspendlerinnen und -pendler. Und da voraussichtlich kaum ein Zug am Berliner oder Potsdamer Hauptbahnhof enden wird, wird man künftig auch nach Magdeburg, Stralsund oder Stettin schnell und ohne Umstieg gelangen.
Im Juni trafen sich interessierte Mitglieder der SPD-Fraktion sowie der Abteilungen im Rahmen des „Kommunalpolitischen Frühstücks“ mit zwei Vertretern der Bürgerinitiative Stammbahn, um sich über den aktuellen Stand der Planungen auszutauschen. Im Fokus stand dabei vor allem die berlinweite Bedeutung der wiederaufgebauten Strecke. Derzeit ist das Berliner Bahnnetz überaus fehleranfällig, vor allem im Bereich der Stadtbahn, die das Zentrum mit nur zwei Gleisen ist Ost-West-Richtung durchquert. Hier könnte die Stammbahn zum „Gamechanger“ werden: Indem sie die Stadtbahn sowie den Bahnhof Wannsee umfährt, schafft sie eine dringend benötigte, zusätzliche Anbindung an die Bahnstrecken aus südwestlicher Richtung. Im Falle von Havarien oder Bauarbeiten wäre Berlin nicht mehr komplett vom Bahnverkehr abgeschnitten. Existierende Strecken wie die Anhalter (Lankwitz) oder Dresdner Bahn (Mariendorf) sind bereits heute am Limit und können keine zusätzlichen Züge mehr aufnehmen.
Doch auch für unseren Bezirk würde sich vieles verbessern: Der geplante Bahnhof Düppel-Kleinmachnow wird dafür sorgen, dass in Zukunft deutlich weniger Menschen als bisher mit dem Auto zum Mexikoplatz, nach Wannsee oder Zehlendorf fahren und dort die Straßen verstopfen. „Bei der Planung des Bahnhofsgebäudes müssen ausreichend P+R-Parkplätze mitgebaut sowie ein Anschluss an die U3 zumindest mitgeplant werden“, fordert der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta. Entscheidend sei, jetzt keine weitere Zeit zu verlieren: So müsse man am besten schon jetzt in der BVV und gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren diskutieren, wie die künftigen Bahnhöfe gestaltet werden sollen, damit sie ein Gewinn für ihre Nachbarschaften würden. Ganz besonders denke er da an die katastrophale Situation am Bahnhof Rathaus Steglitz.
Für die direkten Anwohnenden der wiederaufgebauten Bahnstrecke hatten die beiden Fachleute eine gute Nachricht: Bereits heutige Regionalzüge seien deutlich leiser als S-Bahnen, bis zur Eröffnung sei mit weiterem Fortschritt fest zu rechnen. Zudem werde es mit Sicherheit keinen regelmäßigen Güterverkehr auf der Strecke geben – schon allein weil es in der Innenstadt gar keine geeigneten Güterbahnhöfe und Verteilzentren mehr gäbe. Eine klare Absage erteilen BI und SPD hingegen der Forderung, das Gütergleis der Wannseebahn für den Personenverkehr zu ertüchtigen: Dieses verlaufe durch dicht bebautes Gebiet, weshalb ein zweigleisiger Ausbau ausgeschlossen sei – entsprechend gering sei der verkehrliche Nutzen im Vergleich zu den Kosten. „Die SPD steht voll hinter der Stammbahn. Dieses Infrastrukturprojekt ist unerlässlich für Berlin, unseren Bezirk und die Verkehrswende!“ Man setze sich dafür ein, die Finanzierung der kommenden Leistungsphasen sicherzustellen. Dann sei eine Betriebsaufnahme zum 200jährigen Jubiläum der Eröffnung der Strecke im Jahr 2038 möglich, so Buchta.

