Um die Lebensmittelverschwendung beim kostenlosen Schulessen für Grundschulen zu reduzieren, wurde Ende 2024 ein digitales Bestell- und Abrechnungssytem mit Chipkarten eingeführt. Seither wird weniger weggeworfen, Kosten wurden gesenkt. Die SPD-Fraktion wollte vom Bezirksamt wissen, wo sich dennoch Probleme zeigen und welche Abhilfe geplant ist.
Seit dem Schuljahr 2019/2020 finanziert das Land Berlin das Schulessen für rund 200.000 Grundschulkinder der Klassen eins bis sechs. Zunächst wurden alle von den Schulen gemeldeten Portionen bezahlt – unabhängig davon, ob die Kinder ihr Essen tatsächlich abholten. Nach Medienangaben landeten 10 bis 20 Prozent der Mahlzeiten im Müll. Mit der Neuausschreibung wurde deshalb ein digitales Bestell- und Abrechnungssystem eingeführt. Seit dem 1. November 2024 werden Caterer nur noch für bestellte und abgeholte Portionen bezahlt. Eltern müssen sich online registrieren und täglich ein Gericht auswählen, Kinder weisen sich zur Abholung mit einer Chipkarte aus.
In der Praxis berichten die Schulen jedoch von Problemen: Viele Eltern scheiterten am Registrierungsprozess, auch wegen sprachlicher Hürden, da die Bestellplattformen gemäß der Ausschreibungsbedingungen nur auf Deutsch angeboten werden. Zudem gingen oft Chipkarten verloren, Bestellungen müssten dann manuell herausgesucht werden – was zu Verzögerungen bei der Essensausgabe führe. Ab dem dritten Verlust müssten die Eltern für den Kartenersatz bezahlen, was sich manche Familien nicht leisten können oder wollen. In der Folge würden manche Kinder nicht mehr in der Schule essen.
Die SPD-Fraktion fragte in der BVV im Februar, wie das Amt mit der Problematik umgehe. Bildungsstadträtin Malgorzata Sijbrandij (CDU) erklärte, ihr sei kein „systematisches Beschwerdeaufkommen“ bekannt, alle anspruchsberechtigten Kinder erhielten ein Mittagessen. „Die Antwort der Stadträtin deckt sich so gar nicht mit dem, was uns aus den Schulen berichtet wird“, kritisiert SPD-Fraktionschef Norbert Buchta. „Entweder weiß Frau Sijbrandij nicht, was in ihrem Ressort vor sich geht, oder aber das Amt verschließt bewusst die Augen!“
Das kostenlose Schul-Mittagessen sei insbesondere für jene Kinder eingeführt worden, bei denen es zuhause nicht so optimal läuft, erklärt Buchta. Durch die neue Hürde werde gerade denen der Zugang erschwert, für die das Angebot eigentlich gedacht sei. „Die Reduzierung der Nahrungsmittelverschwendung ist ein hehres Ziel, es darf aber nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden“. Hier sieht er das Bezirksamt in der Pflicht: „Das Amt sollte gemeinsam mit den Schulen überlegen, wie der Bestellprozess vereinfacht werden kann und etwa Übersetzungen anbieten“. Bewährt habe sich teils auch, Chipkarten in der Schule zu lassen. Klar müsse jedoch sein: „Kein Kind darf hungrig weggeschickt werden!
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