Donnerstag, 14. Dezember 2017

Leider kein "Anonymisiertes Bewerbungsverfahren" in Steglitz-Zehlendorf!

Die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf (BVV) hat heute den Antrag der SPD-Fraktion zur Einführung des sogenannten "Anonymisierten Bewerbungsverfahren" mit den Stimmen von CDU, Grüne und AfD abgelehnt.

 

Dazu erklärt Carolyn Macmillan, Sprecherin für Frauen und Gleichstellung der SPD-Fraktion: "Das Anonymisierte Bewerbungsverfahren ist ein anerkanntes Instrument, um gegen Diskriminierung vorzugehen und Chancengleichheit im Bewerbungsverfahren herzustellen. Dieses Verfahren wirkt auf einfache Weise einer unterbewussten Vorauswahl, beispielsweise durch Name oder Bewerbungsfoto, entgegen und konzentriert somit die Vorauswahl auf die Qualifikation des Menschen. Das Verfahren wird in anderen Bezirksämtern mit Erfolg eingesetzt. Ich bedaure die heutige Ablehnung, da damit der Bezirk sowohl sich selbst als auch vielen möglichen Bewerberinnen und Bewerbern Chancen genommen hat."

Beim Anonymisierten Bewerbungsverfahren wird die Vorauswahl der Bewerberinnen und Bewerber unter Auslassung bestimmter personenbezogener Daten wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Behinderung, Herkunft oder Familienstand vorgenommen. Der Fokus soll allein auf der Qualifikation der Bewerber und Bewerberinnen liegen. Die Anonymisierung reicht nur bis zum Vorstellungsgespräch, so dass der Arbeitgeber genug Möglichkeiten hat, sich ein eigenes Bild der Bewerberinnen und Bewerber zu machen.

Die Anonymisierung einer Bewerbung kann mithilfe der Landesantidiskriminierungsstelle (ADS) ohne zusätzliche Kosten umgesetzt werden, da es sich lediglich um ein von der Stelle erarbeitetes und bereitgestelltes und standardisiertes digitales Dokument mit Hinweisen zur Anonymisierung des Bewerbungsprofils handelt und auf den Webseiten potentieller Arbeitgeber eingebunden werden kann.

Wie einige Probeläufe bei einem Modellversuch in den Jahren 2014/2015 zeigen, sind die Erfahrungen im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft überwiegend positiv: Durch die Standardisierung lassen sich sogar anonymisierte Bewerbungsprofile schneller abgleichen, um die Person mit der besten Qualifizierung für eine Tätigkeit auszuwählen. Insbesondere die Bezirksämter Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und Mitte haben nicht nur an dem Modellversuch teilgenommen, sondern arbeiten bis zum heutigen Tag überzeugt mit den bereitgestellten Anonymisierungsverfahren.

Drucksache: 0203/V